Unser Erster Vorsitzender und Cheftrainer, Michael Klein (5.Dan), betreibt seit über dreißig Jahren Shotokan Karate. Er ist seit Gründung der Shotokan Ryu Karate Do Akademie 1989 Mitglied und übernahm schon nach wenigen Jahren Verantwortung als Trainer im Verein.

 

Seit 1995 bekleidet er das Amt des ersten Vorsitzenden. Er ließ sich nie entmutigen, egal welchen Herausforderungen er sich stellen musste und hielt den Verein zusammen. Engagiert und mit immer neuen Ideen bringt er den Verein voran.

 

Frage: Seit wann machst Du Karate und wie lange bist Du schon als Trainer engagiert?

 

Michael: Ich habe 1988/89 mit Karate begonnen, d.h. ich betreibe jetzt ca. 31 Jahre Karate. Seit wann ich genau auch als Trainer im Einsatz war, kann ich gar nicht genau sagen. Das war irgendwie ein fließender Prozess. Irgendwann durfte ich meinem damaligen Trainer assistieren und später dann eine eigene Gruppe übernehmen. Ich schätze aber, dass dies etwa 28 Jahre her ist.

 

Frage: Was hat dich damals bewogen, mit dem Karate zu beginnen?

 

Michael: Ich hatte als Kind schon einige Jahre Judo betrieben. Ich kann mich auch noch daran erinnern, das es in diesem Judo-Verein irgendwann mal eine Karate-Demonstration gab, die mich damals sehr beeindruckt hatte.  Und dann war da noch Bruce Lee, der in meiner Jugend gerade in den Kinos seine große Zeit hatte. Wie viele andere Kinder war auch ich von dieser Kampfkunst fasziniert. Da es in meinem Heimatort zu dieser Zeit keinen entsprechenden Kampfkunstverein gab, machte ich Zwischenstationen bei anderen Sportarten. Erst als ich ab 1984 als Soldat bei der Bundeswehr in Germersheim stationiert war und ich später ein Werbeplakat für einen zehnstündigen Karate-Anfängerkurs sah, nutzte ich die Chance das auszuprobieren. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Kampfkunst und tingelte eine Zeit lang durch verschiedene Vereine, bis es dann 1989 zur Gründung des Karate-Vereins in Germersheim kam.

 

Frage: Hast Du auch mal daran gedacht zu einer anderen Kampfkunst zu wechseln?

 

Michael: Nicht wirklich. Vielmehr habe ich einige Jahre parallel zum Karate-Training andere Sachen ausprobiert, z.B. Teakwon Do und Kickboxen. Letztlich bin ich jedoch dem Karate treu geblieben, weil mich nach all den Jahrzehnten immer noch die Kombination aus Kraft, Dynamik und auch Ästhetik, sowie die Bandbreite des Karate-Trainings beindrucken.

 

Frage: Warum bist Du über all die Jahre als Trainer aktiv und wie bringst Du das mit deinem Berufsleben in Einklang?

 

Michael: Zunächst bin ich in die Tätigkeit ja mehr oder weniger reingerutscht. Dafür bin ich heute sehr dankbar, denn für mich bedeutet Training geben auch selbst immer weiter zu lernen (Lernen durch Lehren). Wenn Du als Trainer vor deiner Gruppe stehst, bist Du quasi gezwungen dir viel mehr Gedanken über Karate zu machen. Außerdem möchte ich als Trainer meinen Schülern immer einen Schritt voraus sein, um auch den fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern sowie DAN-Trägern in unserem Verein ein anspruchsvolles Training bieten zu können. Das treibt mich an, selbst regelmäßig auf Karate-Lehrgängen zu trainieren und mich weiter zu entwickeln. Karate hat aber nicht nur auf der technischen Seite viel zu bieten. Hinter dem Karate-Do steckt, ebenso wie bei den meisten anderen alten Kampfkünsten, ein entsprechendes Wertesystem (das gerade im wettkampforientierten Kampf-Sport mehr und mehr vernachlässigt wird). Aus meiner Sicht ist es aber gerade die Verbindung aus Technik und den Werten des Karate-Do, die diese Kampfkunst insbesondere in der heutigen Zeit von Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Respektlosigkeit, u.s.w. so wertvoll macht. Als Trainer habe ich da eine gute Chance diese Werte an nachfolgende Generationen weiter zu geben, in der Hoffnung, dass meine Schülerinnen und Schüler diese Werte im Umgang mit anderen Menschen beherzigen und somit zu einer besseren Welt beitragen.

 

Was die Vereinbarung von Karate und Beruf angeht, ist das manchmal schon eine große Herausforderung. Zumal ich ja auch noch 1. Vorsitzender des Vereins bin (und bis vor einigen Jahren ebenso in einem Karate-Verein eines Nachbarortes war). Insbesondere während meiner Tätigkeit als QS-Leiter in einem Landauer Unternehmen war der Stressfaktor sehr groß, da das Training schon um 17 Uhr begann. Das hat mich oft an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gebracht. Seit einigen Jahren arbeite ich freiberuflich, wodurch ich meine Zeit deutlich besser einteilen kann, so dass ich nur selten als Trainer ausfalle. Letztlich ist aber so, dass ich mein Leben um das Karate herum gebaut habe.

 

Frage: Für wen ist Karate eigentlich geeignet? Sind das eher Kinder? Macht ein Einstieg für Erwachsene Sinn?

 

Michael: Letztlich gibt es keine Abgrenzung und sicher macht ein Einstieg auch für Erwachsene Sinn. Letztlich kommt es auch auf die eigene Erwartungshaltung an. Aber Karate-Training ist natürlich ganz wesentlich mit körperlicher Aktivität verbunden, was für die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden immer positiv ist. Erwachsene können i.d.R. das Gezeigte auch schneller umsetzen und somit schneller voran kommen. Hinzu kommt der Selbstverteidigungsaspekt, der ja gerade in diesen Zeiten nicht zu unterschätzen ist. Insofern ist es eigentlich verwunderlich, dass nicht mehr Erwachsene den Weg in unser Dojo finden. Kindern kommt im Training eine umfassende Körperschulung zu Gute. Das Karate-Training beeinflusst Kraft, Kondition, Koordination, Gleichgewicht und darüber hinaus auch das Selbstvertrauen und Konzentrationsfähigkeit positiv, was den Kindern auch in der Schule hilft. Die positive Wirkung des Karate-Trainings auf die Gesundheit und das Wohlbefinden erlebe ich immer wieder, wenn Erwachsene mit diversen Beschwerden (z.B. häufigen Rückenschmerzen, o.a.) bei uns mit dem Training beginnen und nach einer gewissen Zeit regelmäßigen Trainings von einer deutlichen Verbesserung ihrer Situation berichten.

 

Frage: Welchen Einfluss hat Karate deiner Meinung nach auf dein eigenes Leben bisher gehabt?

 

Michael: Das kann ich nur schwer beurteilen, da ich erst mit 21 Jahren, also quasi als Erwachsener zum Karate kam. Ich denke aber, dass ich durch das regelmäßige Karate-Training physisch wie auch psychisch widerstandfähiger geworden bin, was mir nicht nur geholfen hat die vielen Herausforderungen während meines Studiums und im beruflichen Umfeld besser zu meistern, sondern auch die Höhen und Tiefen, die man als Vorsitzender und Trainer im Verein im Verlauf von über 30 Jahren wohl zwangsläufig durchläuft. Und natürlich hat das jahrzehntelange Karate-Training sicher auch seinen Anteil daran, dass ich mich heute immer noch fit fühle. Ebenso haben sich durch das Karate auch viele Freundschaften, teilweise mit Karateka in anderen Ländern, ergeben, wofür ich sehr dankbar bin.

 

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir auch weiterhin viel Gesundheit und Erfolg.